Werke

Bedeutung und Interpretation

Als literarischer Chronist des Zerfalls der Habsburgermonarchie ist er in die Literaturgeschichte eingegangen. Die humanistische Grundhaltung seiner Bücher ist es, die ihnen auch heute noch Aktualität und Gewicht verleiht.

Die Wurzeln Roths liegen laut Gershon Shaked in drei Kulturen. Die deutsche Sprache ist sein Ausdrucksmittel – er schreibt für das deutschsprachige Publikum und kann sich nur in dieser Sprache literarisch ausdrücken. Weiterhin nutzt er unzählige Elemente und Symbole der jüdischen Kultur. Schauplatz seiner Handlungen bildet die slawische Welt. Als einer der ersten deutschen Autoren der Weimarer Republik dachte er an den Rückzug ins Exil, dass er 1933 in Frankreich fand, wo auch seine späteren Romane spielten.

Der Verlust des Vaters und des Vaterlandes spielen eine zentrale Rolle in Roths Werken. Dieses Gefühl von Verlorensein und Entwurzelung wird aber auch an anderer Stelle gestaltet, nämlich als Lebensgefühl der galizischen Juden und der Juden überhaupt.

Roths Streben nach Identifikation war stets geleitet vom ästhetischen Reiz sowie dem Wunsch nach Zugehörigkeit. In seinen Werken erschuf er sich eine neue Heimat.

In jungen Jahren galt Joseph Roth als linker Schriftsteller, der unter anderem im sozialdemokratischen „Vorwärts“ veröffentlichte und sich durchaus monarchiekritisch zeigte.

Der Zerfall der Habsburger Monarchie und der spätere Anschluss Österreichs hatten einen enormen Einfluss auf das Wirken Joseph Roths
Der Zerfall der Habsburger Monarchie und der spätere Anschluss Österreichs hatten einen enormen Einfluss auf das Wirken Joseph Roths

Mit dem Zerfall des Habsburgischen Reiches begann für ihn eine Verklärung und Romantisierung der Monarchie. Gegen das Erstarken des Nationalsozialismus konnte für ihn einzig ein Zusammenschluss der katholischen Kirche und der Monarchie etwas ausrichten. Konsequent verstärkte er nicht nur seine Selbststilisierung als (selbstverständlich katholischer) österreichischer Offizier, sondern unterstützte die Sache der Monarchisten konkret durch Artikel und politische Arbeit. Kurz vor dem Anschluss Österreichs 1938 versuchte er sogar den damaligen Kanzler Schuschnigg zur Abdankung zugunsten Otto von Habsburgs zu überreden.

Roth pflegte einen recht dichterischen Umgang mit der eigenen Biografie. Er wurde nicht, wie er selbst behauptete, im ungarischen Schwaben, sondern im galizischen Brody geboren. Auch ist er nie österreichischer Offizier gewesen, sondern diente als Einjährig-Freiwilliger. Konfessionell bezeichnete er sich abwechselnd als Jude oder Katholik. Wie in seinen Werken bediente sich Roth auch im realen Leben der Mystifikation.

Die Einordnung Roths Werke in ein literarisches Genre fällt schwer. Am ehesten verbindet man mit ihm die Richtung der Neuen Sachlichkeit, die er selbst aber lehnt diese Richtung als ungeformt und  naiv zurück. Er vertritt den Grundsatz, dass der „…Erzähler ein Beobachter und ein Sachverständiger [ist]. Sein Werk ist niemals von der Realität gelöst, sondern in Wahrheit (durch das Mittel der Sprache) umgewandelte Realität.“ Auch wenn er weithin als Journalist bekannt ist, so vertritt er dennoch die Position des journalistischen Handwerkers.

Quelle: Wikipedia, Gertrude Durusoy: „Seelische Beheimatung und Drang zur Flucht bei Joseph Roth“ (http://www.inst.at/trans/7Nr/durusoy7.htm)