Biografie

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Joseph Roth am 02.09.1894 im galizischen Brody, das damals zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte und nahe der russischen Grenze lag. Seine Mutter entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Der Vater war ebenfalls Kaufmann, wurde aber aufgrund einer Geisteskrankheit früh in eine Anstalt eingewiesen.

Roth wuchs nicht, wie er selbst behauptete in ärmlichen Verhältnissen auf, sondern besuchte ein deutschsprachiges Gymnasium und erhielt Privatunterricht. Die Situation der Familie gestaltete sich dahingehend schwierig, als dass die Mutter den Gesundheitszustand ihres Mannes geheim hielt, da Geisteskrankheit im orthodoxen Judentum als Fluch Gottes galt und die Heiratsaussichten der Kinder verringerte. Sie lebte zurückgezogen und konzentrierte sich auf die Erziehung ihres einzigen Sohnes.

Studium

Roth war ein guter Schüler und schloss als einziger Jude seines Jahrganges mit Auszeichnung ab.

Er immatrikulierte 1903 an der Universität Lemberg und lebte ein Jahr bei einem Onkel. Konflikte zwischen den beiden, sowie Unruhen zwischen polnischen, ruthenischen Studenten sowie den Anhängern der verschiedenen jüdischen Schulen und die Umstellung der Unterrichtssprache vom Deutschen aufs Polnische bewogen Roth zum Wechsel an die Wiener Universität.

Dort studierte er Germanistik und Philosophie. Er lebte gemeinsam mit seiner Mutter, die vor den Gefahren des herannahenden Krieges geflohen war, und einer Tante zusammen. Die prekäre finanzielle Situation der Familie konnte der Student bald durch Stipendien und Hauslehrerstellen überbrücken.

Joseph Roth war strebsam und erfolgsorientiert, bei seinen Kommilitonen galt er als distanziert und arrogant – mit Bügelfalte, Stock und Monokel gab er sich als Ebenbild eines „Wiener Gigerls“.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Roth als kriegsuntauglich eingestuft und zeigte sich zunächst pazifistisch. Am 31.05.1916 meldete er sich trotzdem zum Einjährig-Freiwilligendienst.

Nach einer kurzen Dienstzeit im Feldjäger-Bataillon, wurde er 1917 in den Lembergischen Pressedienst versetzt. Er kämpfte nie an der Front. Nach Kriegsende brach er sein Studium ab und konzentrierte sich auf den Erwerb seines Lebensunterhaltes.

Journalist in Wien und Berlin

Bereits während des Krieges schrieb Roth Bericht und Feuilletons für verschiedene Zeitschriften. Ab 1919 arbeitete er als Redakteur bei Der Neue Tag und wurde Stammgast im Wiener Café Herrenhof, in dem er auch seine spätere Frau Friedericke Reichler kennenlernte.

1921 siedelte er nach Berlin um und war hauptsächlich für den Berliner Börsen-Courier tätig. Später schrieb er sozialkritische Beiträge für den sozialistischen Vorwärts.

In den kommenden Jahren erschien die Großzahl seiner Beiträge in der renommierten Frankfurter Zeitung, bei der er ab 1923 als Feuilletonkorrespondent arbeitete. Weitere Arbeitgeber waren in dieser Zeit auch die Wiener Sonntags- und Montagszeitung, das Neue 8-Uhr-Blatt, Der Tag und das Prager Tagblatt. Sein erster Roman „Das Spinnennetz“ wurde ab 1923 in der Wiener Arbeiterzeitung als Fortsetzungsroman gedruckt.

Für die FZ reiste er ab 1925 nach Frankreich, Albanien und Jugoslawien, Polen, Italien, in die Sowjetunion und das Saargebiet.

Privatleben

Die am 05.03.1922 geschlossene Ehe mit Friedericke Reichler stürzte Roth bald in eine tiefe Krise. Friedl kam mit dem Lebensstil des Reisejournalisten nicht zurecht. Ihre Veranlagung zur Geisteskrankheit manifestierte sich im Laufe der Jahre, sie lebte ab 1928 unter ständiger Aufsicht oder in Nervenheilanstalten. Roth gab sich selbst die Schuld am Zustand seiner Frau und begann heftig zu trinken. 1940 beantragte er die Scheidung. Friedl sollte nach Linz ins Sanatorium gebracht werden, kam aber nie an. Sie wurde Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms.

Trotz der starken Selbstvorwürfe pflegte Roth eine Reihe von Affären. Mit der Redakteurin und ehemaligen Ehefrau des Prinzen von Kamerun Andrea Magna Bell teilte er sogar eine Wohnung. Nachdem beide nach Frankreich emigrierten, zerbrach das Verhältnis aufgrund der Eifersucht Roths und finanzieller Schwierigkeiten. In Paris lebte Joseph Roth zwei Jahre mit der Schriftstellerin Irmgard Keun zusammen. Beide teilten neben ihrer pessimistischen Weltsicht auch den Hang zum Alkohol. Auch diese Beziehung zerbrach an Eifersucht.

Letzte Jahre in Paris

Am 30.01.1933, dem Tag von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler hatte Roth Deutschland verlassen, in dem wenig später auch seine Bücher verbrannt wurden. Er verbrachte die folgende Zeit nicht ausschließlich in Frankreich, sondern reiste, soweit noch möglich, durch Europa.

Er schrieb und publizierte weiterhin, vorrangig in niederländischen Exilverlagen (Querida, deLange) und schrieb für verschiedene Exilzeitschriften.

In seinen letzten Lebensjahren verschlechterten sich die finanzielle und gesundheitliche Situation Roths enorm. Das Hotel Foyot, in dem er während seiner Parisaufenthalte gelebt hatte, wurde abgerissen und so kam er in ein  Armenhospital, in dem er am 27.05.1939 an einer Lungenentzündungen und den Folgen seines Alkoholkonsums starb. Da kein Beleg für eine Taufe zu finden war, wurde Joseph Roth nach einem „gedämpft-katholischen“ Ritus begraben.